Darm-Special - Candida

Nein, es geht nicht um die Zahnpasta von der Migros, sondern um die häufigste Pilzart, die sich im Darm des Menschen ansiedeln kann. Candida albicans kommt bei gesunden Erwachsenen selten vor. In Stressphasen oder bei Immunschwäche kann er jedoch Überhand gewinnen und viele Symptome verursachen.

An sich ist es nicht schlimm, wenn sich Pilze im Darm befinden. Die Frage ist nur, wie stark sie sich verbreiten. Ein intaktes Immunsystem im Magendarmtrakt ist dazu in der Lage, Candida oder auch andere Pilze in Schach zu halten. Bei Kindern und älteren Menschen ist die Darmflora jedoch noch nicht so gut oder nicht mehr so ausgeprägt ausgereift, um Pathogene jeder Art abzuwehren. Man sieht das häufig bei Babys, die Mundsoor haben, was meist nichts anderes ist als Candida albicans. Bei Babys und Kindern verschwindet der Pilz mit einer zuckerarmen Ernährung meist von selbst. Was aber, wenn Erwachsene von Pilzen überwuchert werden?

 

Die Schulmedizin hält es leider immer noch für unwahrscheinlich, dass sich Pilze bei Menschen, die nicht gerade eine Chemotherapie hinter sich haben oder an Aids leiden, vermehrt ausbreiten können. Weit gefehlt! Seit die Ära der Fertiggerichte und Zuckerbomben angebrochen ist, hat der Pilz grosse Chancen, der „Chef“ im Darmtrakt zu werden. Kommt zur schlechten Ernährung auch noch Stress dazu, ein starker Immunschwächer, ist der Darm bald nicht mehr in der Lage, das Gleichgewicht zu halten.    

Wie vermehrt sich Candida?

Pilze nähren sich hauptsächlich von Zucker. Wer also hauptsächlich Pasta, Kartoffeln, Reis und Süßes zu sich nimmt, hat ein höheres Risiko, dass ein Pilz sich ausbreiten kann, sofern eben auch andere Stressfaktoren gegeben sind. All diese Kohlenhydratquellen wandeln sich während der Verdauung in Zucker um. Je länger ein Lebensmittel im Darmtrakt verweilt, desto länger kann auch der Pilz davon profitieren. Weil Fett eine längere Verdauungszeit benötigt, ist die Kombination von Fett und Zucker die größte Wonne für den Candida. 

 

Aber vom Naschen alleine bekommt kaum jemand eine Pilzinfektion. Ein Leaky Gut, ein permanent erhöhter Cortisolspiegel, zu viel Adrenalin oder auch Erkrankungen des Immunsystems können Candida fördern.

Symptome

Beim Candida gibt es zweierlei Symptomgruppen, die sich bemerkbar machen. Zum einen entstehen Symptome, wenn der Pilz genährt wird, wie z.B. starke Blähungen, Verstopfung oder Durchfall, einen „Wattekopf“, Schlafprobleme und häufige Erkältungen. Auch kann es sein, dass sich in dieser Zeit Lebensmittelintoleranzen oder Lebensmittelallergien einschleichen.

 

Zum anderen verursacht auch die Bekämpfung des Pilzes Probleme. Wenn Pilze absterben, setzt dies Toxine frei, die vom Körper nicht immer rasch abgebaut werden können, weil das System überlastet ist. Die Überbleibsel der Toxine, die Lipopolysaccharide, gehen dann ins Blut und können zu Entzündungen, Histaminüberschuss und Leberüberlastung führen. Die Überschwemmung von Abfallstoffen erhöht auch die Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol, was zu psychischen Symptomen führen kann wie Ängste oder depressive Verstimmungen. Dass die Nebenwirkungen des Pilztötens oft noch schlimmer sind als die Symptome des Pilzes an sich, macht die Therapie umso schwerer durchzuhalten.    

Wie wird man sie los?

Ich kann hier kein Rezept abgeben, weil eine Heilung individuell ist. Nicht jeder Pilz reagiert auf Antifungizide gleich, und auch jeder Mensch verträgt nicht jede Maßnahme. Aber das Grundprinzip besteht aus drei Schwerpunkten:

 

  1. Pilzpopulationen vermindern
  2. Ernährung umstellen
  3. Darmflora aufbauen

 

Um die Pilze abzutöten, gibt es starke Antimykotika, die jedoch selten von Ärzten verschrieben werden. Eine weitere weit bekannte Möglichkeit ist Nystatin, das nur im Verdauungstrakt wirkt. Und als Letztes gibt es viele pflanzliche Mittel, milder und somit besser verträglich ist. Es wird sogar berichtet, dass viele auf Kräutertinkturen stärker reagieren als auf chemische Mittel. Der Vorteil, den ich bei pflanzlichen Mittel sehe, liegt klar im Trittbrettfahren. Häufig haben Betroffene nicht nur Pilze im Darm, sondern auch noch Parasiten oder eine Dünndarmfehlbesiedelung. Und es gibt einige Kräuter, die alle diese Übel gleichzeitig bekämpfen, während die chemischen Antimykotika wirklich nur Pilze angreifen. Aus diesem Grund rate ich eher zu pflanzlichen Mittel. Eine Ausnahme stellt die systemische Pilzerkrankung dar. Wenn der Pilz irgendwann in die Blutbahnen gerät und sich auch außerhalb des Verdauungstrakts ansiedelt, sind Antimykotika auf chemischer Ebene meist unerlässlich.

 

Die Ernährung ist auch ein wichtiger Punkt. Wenn der Candida nicht permanent genährt werden soll, muss man ihm sein täglich Brot entziehen. Kohlenhydrate, vor allem Zucker, sollten für einige Wochen gemieden werden.

 

Antipilz-Mittel und Ernährung stellen die erste Phase der Therapie dar. Im Anschluss muss unbedingt die Darmflora aufgebaut werden. Dazu gehört eine langfristig gesunde Ernährung mit viel Fasern, frischen Lebensmitteln und womöglich auch Unterstützung durch Prä- und Probiotika. Die Schwierigkeit besteht hier in der Entscheidung, wann man in die Aufbauphase übergeht. Startet man damit zu schnell, bekommt der Candida wieder Futter (weil er z.B. auch sehr gerne Fasern hat), wartet man zu lange, ist der Darmtrakt noch schwächer als zu Beginn und der Candida freut sich darüber. Daher ist es empfehlenswert, sich jemanden als Begleitung zu suchen, z.B. eine Heilpraktikerin, einen Naturheilarzt oder eine Kinesiologin, die sich damit auskennen Stuhltests in Auftrag geben können.

Anmerkung zum Testen

Pilze sind schwer zu testen. Ein einmaliger Negativ-Befund sagt leider noch nichts aus. Sehr häufig sind Pilze im Darm in „Nestern“ angelegt, die sich in den Ausstülpungen des Darms befinden. Nicht bei jedem Stuhlgang gehen auch Pilze ab. Als gute Vorbereitung für einen Stuhltest ist die Einhaltung einer zweitätigen, kohlehydratarmen Diät. Dabei sterben schon mal ein paar Pilze ab und man hat größere Chancen, dass sich Candida nachweisen lässt.