Deine Grabrede

Hast du dich auf schon einmal gefragt: „Was habe ich eigentlich von all dem erreicht, was ich mir immer erträumt habe?“ Das ist eine berechtigte Frage und sie scheint mir auch wichtig, denn sonst ziehen die Jahre an einem vorbei, ohne dass sich Lebensziele erfüllen. Wenn man die Frage nicht ernst nimmt, ist es das Freiticket für eine Midlife-Crises (oder Latelife-Crises), die irgendwann an die Tür klopft und sich kaum mehr abwimmeln lässt. Was also tun?

Anstatt zu beklagen, was man alles noch nicht geschafft und erreicht hat, ist es dann viel besser, sich die konkreten Ziele für die Zukunft vorzunehmen. Dabei stellen sich viele die Frage: Was will ich überhaupt? Oder man merkt, dass sich gewisse Pläne längst verabschiedet haben, weil sie gar nicht mehr wichtig sind. Der Weizen trennt sich hier vom Spreu. Das ist schon mal ein erster guter Schritt. Aber ist es denn genug, einfach zu wissen, was man möchte? Besteht dabei nicht die Gefahr, dass man sofort wieder in einen Trott zurückfällt und die Jahre an sich vorüberziehen lässt, ohne dass sich konkret etwas tut? Hier kann die Grabrede Abhilfe schaffen.   

Die Grabrede

Stell dir zunächst einmal vor, deine Hinterbliebenen stehen an deinem Grab und jemand hält eine Rede über dein (Wunsch-)Leben. Was erzählt diese Person? Welche Meilensteine deines Werdegangs werden aufgezählt, welche Höhen aufgezählt, die dein gelebtes Leben erfüllt haben?

Lege dir am besten ein Notizbuch zu und schreibe deine Grabesrede auf. Wichtig ist dabei, dass du chronologisch vorgehst. Du kannst erst das aufschreiben, was du schon erlebt hast, und danach denkst du dir das aus, was noch kommen wird. Ein paar Regeln, damit die Grabrede funktioniert …    

  • Werde konkret
    Schreibe nicht nur: „Sie war ein glücklicher und zufriedener Mensch.“ Schreibe auf, was du in deinem Leben gemacht hast.
  • Ich-Form
    An deinem Grab werden die Zurückgelassenen über dich sprechen. Aber in dieser Grabrede bist du es, der die Rede hält. Darum in Ich-Form aufschreiben (was natürlich damit zu tun hat, dass sie in erster Linie auf dich wirken soll).
  • Gehe chronologisch vor
    In einer Grabrede fängt man immer bei der Geburt an und erzählt chronologisch. Erst dies, dann dies, dann das. Unwichtige Details gehören nicht rein.
  • Setze Zahlen
    Flechte darin ein, wann du was in deinem Leben erreicht hast. „Mit 39 gebar ich meine Tochter. Mit 45 machte ich mich selbständig. Drei Jahre später hatte ich mein Einkommen verdoppelt.“
  • Nur das Gute
    Liste nur glückliche Ereignisse und Dinge auf, die du erreicht haben wirst. Niederlagen und Schicksalsschläge haben in Grabreden wenig bis gar nichts zu suchen.
  • Träume groß, aber bleib realistisch
    Finde einen gesunden Bereich des Möglichen. Versuche deine Träume nicht durch Vernunftgedanken kleiner zu halten, aber lasse sie auch nicht so gigantisch werden, dass sie nie erreicht werden können. Spule am besten dein Leben wie einen Film ab und schätze so ab, ob das, was du dir wünscht, sich tatsächlich so ergeben könnte.
  •  Von Hand
    Schreibe die Grabrede unbedingt von Hand. Damit sacken die Infos viel tiefer in dein Unterbewusstsein und haften sich dort fest. 

Wenn du nun die Grabrede geschrieben hast, dann markiere dir die Zahlen und die dazugehörigen Ziele. So ist am Ende alles Wichtige auf einen Blick ersichtlich.

Durch das Niederschreiben deiner Grabrede …

  • werden deine Ziele konkreter
  • trennst du die Spreu vom Weizen
  • werden deine Ziele realistischer
  • kannst du abschätzen, in welchen Zeiträumen du etwas angehen solltest
  • festigst du deine Ziele, weil du sie schwarz auf weiss hast
  • bekommst du ein Gefühl dafür, was tatsächlich möglich ist

Der letzte Punkt in den Vorteilen einer Grabrede ist der wichtigste. Wenn du nämlich weißt, was möglich ist, setzt dies Energie in dir frei, die du für deine Ziele nutzen kannst. Diese Grabrede macht deine Ziele greifbar, weil du sie ja so behandelst, als hättest du sie bereits erreicht. Sie sind verinnerlicht und nicht mehr nur ein Wunschgebilde, das sich oftmals anfühlt wie etwas, das weit weg von einem ist. Nein, diese erreichten Ziele haben einen festen Platz in dir gefunden, und durch das Niederschreiben hast du sie auch in deinem Unterbewusstsein verankert.

Bewahre deine Grabrede unbedingt auf. Du kannst sie auch einmal im Monat (oder wie oft du möchtest) lesen, um die Ziele noch stärker zu verankern. Natürlich darfst du sie auch abändern. Wir sind hier schließlich nicht in einem Archiv, wo in Stein gemeißelte Gebote befolgt werden. Und denk daran: Das Unterbewusstsein unterscheidet nicht zwischen Fantasie und Realität. Das Verankern deiner Ziele führt dazu, dass du tief in deinem Inneres auch daran glaubst, sie erreichen zu können.